Bestandsauflösung Saarland - 100 Kaninchen vor dem Tod bewahrt
9. Januar 2007: gegen Mittag erreicht uns der Anruf des Veterinäramtes Ottweiler im Saarland. 130 halbverhungerte Kaninchen müssten beschlagnahmt werden und es werden Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. Über Geschlechterzahlen oder genauere Gesundheitszustände wurden uns keine Informationen gegeben und einen genauen Termin für die Auflösung gäbe es auch noch nicht. Selbige Kaninchenhaltung wurde bereits Monate zuvor von mehreren Personen / Organisationen mehrmals beim zuständigen Veterinäramt beanstandet und es wurde versicht, dass die Haltung nach den erfolgten Kontrollen verbessert wurde.
Umgehend starteten wir Aufrufe um geeignete Pflegestellen zu finden, parallel wurden die umliegenden Tierheime kontaktiert, welche sich als äußerst kooperativ erwiesen. Nachmittags erfuhren wir vom Veterinäramt, dass jetzt eine Tierärztin vor Ort sei, um sich um die schweren Fälle zu kümmern. 10. Januar 2007: für 27 Tiere konnten wir bereits Unterkünfte organisieren; der Informationsfluss seitens der Behörden war aber äußerst stockend, aber einen Übernahmetermin für Samstag 10 Uhr konnten wir fixieren.
11. Januar 2007: für ca. 50 Tiere konnten wir schon Helfer finden, die sich der kranken Tiere annehmen würden. Gespräche mit den zuständigen Behörden ergaben, dass alle Tiere, die nicht untergebracht werden können, angeblich geschlachtet werden. Unsere Helfer legen sich noch mal voll ins Zeug und gegen Abend steht es fest – bis zu 120 Tiere können auf private Pflegestellen, Tierheime und unsere Pflegestellen verteilt werden. Das Veterinäramt dämpft unsere Freude, denn plötzlich heisst es wir würden nur 50 Tiere bekommen, die restlichen Tiere würden angeblich an eine Behindertenwerkstätte verkauft, welche die Tiere als Schlachttiere halten will. Wir entschieden uns den Termin vor Ort abzuwarten, aus der Ferne konnten wir für die Tiere nichts ausrichten. Transporte wurden organisiert, die Helfer für den Einsatz vor Ort instruiert, Boxen besorgt, Pflegestellen verständigt usw.
12. Januar 2007: Recherchen ergeben, dass ein Zusammenhang zwischen diesem Tierbestand und dem Gammelfleischskandal welcher vor einigen Monaten durch die Presse ging besteht. Der ursprüngliche Tierbestand soll bei 600 Tieren gelegen haben. Leute aus der Nachbarschaft berichten uns, dass seit Tagen reges Treiben am Hof herrscht, angeblich wurden an diesem Tag bereits 280 Tiere abgeholt. Der Verbleib der Tiere ist unbekannt.
13. Januar 2007: Mit mulmigem Gefühl machen sich unsere Aktiven und Helfer auf den Weg. Die Zustände die sie dort vorfinden sind erschreckend, mit Worten kaum zu beschreiben. Ein verwahrloster verfallener Hof, versiffte , verschimmelte und total verdreckte Boxen, tote Tiere zwischen lebenden, halb aufgefressene Babys, verstörte Muttertiere, Plastiktonnen randvoll mit verendeten Tieren, Ammoniak getränkte Luft schlägt ihnen entgegen. Unsere Helfer vor Ort haben die traurige Aufgabe zu selektieren, welche Tiere mitgenommen werden und für welche der Tod eine Erlösung ist.
Die erste Fuhre mit rund 60 Tieren wird in einen Pferdeanhänger einer unserer Aktiven geladen und zu einem ca. 500 m entfernten Parkplatz gebracht, wo weitere Helfer die Tiere entgegennehmen, sortieren, in Boxen packen, den Transporten zuweisen und schon sind die ersten Tiere auf dem Weg in ihre Unterkünfte. Ein Kaninchen stirbt noch vor Ort in den Händen einer Aktiven, ein weiteres Tier muss nach kurzem Transportweg bei einer mit uns kooperierenden Tierärztin eingeschläfert werden. Ein weiteres Tier verstirbt noch am selben Abend in seiner Pflegestelle.
Unsagbares Tierleid, undurchsichtige Zusammenhänge und eine für uns fragwürdige Vorgehensweise was diesen Notfall angeht machen diesen Tag zu einem der schlimmsten für viele unserer Helfer und unseren Verein. Nach 103 Kaninchen war Schluss. Zurück bleiben einige Häsinnen, deren Jungtiere erst wenige Tage alt sind, eine Menge Tiere, die nicht mehr transportfähig sind. Es wurde uns zugesichert, dass die kranken Tiere eingeschläfert werden.
Nach einem langen Tag sind gegen 22 Uhr alle Tiere verteilt und versorgt. Die Helfer vor Ort kommen langsam zu Ruhe und die ersten Fotos versetzen uns alle in einen Schockzustand. Wir zollen jenen Respekt, die den ganzen Tag vor Ort dieses Elend ertragen haben und für diese Tiere gekämpft haben. Auch sie müssen nun erst einmal mit dem vorgefundenen Tierleid und den dortigen Zuständen fertig werden.
14. Januar 2007: Versuche die restlichen Häsinnen mit Jungtieren rauszuholen schlagen fehl – wir bekommen keine Erlaubnis die Tiere zu holen. Angeblich soll am Dienstag noch ein Termin mit der Einrichtung für Behinderte stattfinden, welche noch Tiere holen wollen. Unfassbar angesichts dieser Bilder, unvorstellbar, dass diese Tiere noch zum Verzehr freigegeben werden sollen. Aber wir werden nicht Ruhen, für uns ist dieser Fall hier und heute nicht zu Ende.
Die geretteten Kaninchen wurden auf Pflegestellen der Kaninchenhilfe (34 Tiere) und Tierheime sowie private Tierhilfen aufgeteilt.Wir danken allen für die tolle Zusammenarbeit bei diesem Notfall und würden uns freuen, wenn Sie die Kaninchenhilfe und unsere Partner mit Ihrer Spende unterstützen!
Zusätzlich zu den Tierarzt- und Unterbringungs-/Verpflegungskosten kommt hinzu, dass viele Häsinnen trächtig sind und mit Würfen von 6 - 8 Jungtieren zu rechnen ist. Fast alle Tiere haben Kokzidien, Ohrräude, Parasitenbefall, Durchfall, Schnupfen. Etliche Tiere sind stark unterernährt.
Wir möchten auch noch auf unseren Stammtisch im Saarland hinweisen. Dieser wird zu Gunsten unserer Saarlandschützlinge stattfinden. Gerne informieren wir vor Ort über den Fortgang der Aktion, die aktuelle Lage und unsere Schützlinge. Sachspenden (Heu, Frischfutter, CriticalCare, Transportboxen etc.) werden immer benötigt! Erlös aus Verkäufen beim Stammtisch werden für Kastrationen und tierärztliche Versorgung der Tiere verwendet!

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