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Das qualvolle Leben der Mastkaninchen
Sie werden geboren in einem engen vollverdrahteten Käfig, der Bestandteil von mehreren Etagen Käfigreihen mit hunderten
"Insassen" ist. Diese Käfigreihen wiederum befinden sich in den meisten Fällen in abgewrackten, ehemaligen Lagerhallen ohne
Tageslicht. Der beißende Geruch nach Ammoniak, ein Gas verursacht durch die Ausscheidungen von Hunderten von Kaninchen,
verätzt die empfindlichen Schleimhäute der Tiere. Der Einsatz von billigen Leuchtstoffröhren, die 16 Stunden am Tag brennen,
soll die Jahreszeiten Frühling und Sommer vorgaukeln, um die Fruchtbarkeit - besser gesagt die Aufnahmefähigkeit durch
brutales künstliches Besamen mittels eines eingeschobenen Metallrohres - anzuregen.
Muttertiere produzieren auf diese Weise
zwischen 8 und 11 Würfen pro Jahr, bevor sie völlig ausgelaugt und entkräftet sterben. Die in diese Welt hineingeborenen
Kaninchenbabies werden in ihrem kurzen Lebens niemals erfahren, wie Heu riecht und schmeckt, wie lustig es ist, übermütig
über eine Wiese zu hoppeln und Haken zu schlagen, wie hingebungsvoll man als Kaninchen an einer saftigen Möhre, einem Stück
Apfel oder an frischem Löwenzahn knabbern kann. Stattdessen finden sie in ihrer reizarmen, kargen Umgebung nur eine
Wassertränke und eine Spendervorrichtung mit Masttrockenfutter vor. Dieses ist angereichert mit einer hohen Dosis
Antibiotikum, um das durch diese Haltungsform sehr angegriffene Immunsystem der Tiere mehr schlecht als recht bis zu ihrem
baldigen Ende aufrechtzuerhalten. Nicht selten besteht das Masttrockenfutter aus Tiermehl, für einen reinen Vegetarier wie
das Kaninchen eine vollkommen artwidrige Ernährung. Nur - etwas anderes zu fressen gibt es nicht!
Die ausgewachsenen,
sehr bewegungsfreudigen Tiere stopft man zu viert, manchmal auch zu fünft, in Drahtkäfige, in denen dem einzelnen Tier eine
Fläche von der Größe eines DIN A4 Blattes zur Verfügung steht. Moment mal: Das kommt uns doch bekannt vor.....ach ja, richtig!
Die Legehennen in Batteriehaltung "leben" ebenfalls auf einer Fläche dieser Größenordnung .... ! Was dort jahrzehntelang so
prima und komprimiert funktioniert hat, das kann doch ebensogut bei Kaninchen auch angewendet werden, folgerten die
kaninchenproduzierenden Hersteller. Natürlich wird auch bei der Höhe der Drahtkäfige gespart: Gerade mal 30cm mißt diese -
ein Aufrichten der Tiere, ohne mit den Löffeln an die Decke zu stoßen, ist unmöglich. So verbringen also die Kaninchen Tag um
Tag, Woche um Woche, in dieser qualvollen Enge. Die empfindlichen Pfoten wund und entzündet vom Drahtgitterboden, das Rückgrat
verkrümmt, weil keine Möglichkeit zum Ausstrecken vorhanden ist, der Analbereich wund durch das ständig Durchfall verursachende
Mastfutter. Voller Verzweiflung kommt es häufig zu Kannibalismus und Selbstverstümmelung.
Die Sterblichkeitsrate ist mit
10 bis 15 % die höchste bei allen industriell gehaltenen "Nutz"-tieren. Diejenigen Tiere, die diese Tortur durchhalten,
erwartet nach 12 bis 14 Lebenswochen folgendes Schicksal: Zusammengepfercht in Kisten werden sie auf LKW's verladen und oftmals
mehrere Stunden bis Tage ohne Futter und Wasser zu Schlachthöfen gekarrt. Dort ausgeladen, können sie in ihren Kisten
beobachten, was ihnen bevorsteht: An Haken werden sie an den Hinterläufen aufgehängt, mittels eines Förderbandes mit dem Kopf
durch ein mit Strom versehenes Wasserbad gezogen. Bei weitem nicht alle Tiere werden durch diesen Vorgang ausreichend betäubt...
anschließend wird ihnen die Kehle durchgeschnitten, das Fell abgezogen, die Pfoten und Ohren abgehackt und der bloße
Kaninchenkörper in gastronomiegerechte Stücke zerlegt. Die Reste werden zu Katzenfutter verarbeitet.
Dann kommen hygienisch
verpackt Keulen, Rücken, Läufe oder auch Innereien wie Kaninchenleber zum Verkauf in die Supermärkte. Um dem Verbraucher
vorzugaukeln, daß es sich um gesunde Ware handelt, werden besonders gern Etiketten mit der Aufschrift
"Hauskaninchen vom Gut XY" verwendet. Zum Beispiel vorzufinden in den Märkten der Tengelmann-Kette.
Ein alptraumhaftes Horrorszenario, denkt Ihr?
Leider nein! Genau so werden allein in Deutschland jährlich 25 bis 30 Millionen Kaninchen industriell erzeugt,
gehalten und geschlachtet, um der "Volksernährung" zu dienen.
Weshalb nur diese entsetzlich hohe Anzahl, werdet ihr fragen?
Die einfache Antwort liegt in einem Wort: BSE Auf der Suche nach Fleischalternativen für die durch den
Rinderwahn seinerzeit verunsicherten Konsumenten konzentrierte sich die fleischerzeugende Industrie flugs auf enorme Mengen
an Putenfleisch und ... Kaninchen. Der Verbrauch ist nach BSE sprunghaft angestiegen mit jährlich stetig ansteigender Tendenz.
Beide Fleischsorten werden als fett- und cholesterinarm und daher als besonders gesund angepriesen. Nur - und diese Tatsache
läßt man nur zu gern unter den Tisch fallen - diese "Fleischwaren" können in den benötigten Mengen nur produziert werden,
wenn sowohl Puten als auch Kaninchen mit Hormonen zum übermäßig schnellen Wachstum und Antibiotikum zur Abwehr von
Infektionskrankheiten vollgepumpt werden. Da kann man nur sagen: Guten Appetit!
Für uns, die wir Kaninchen als
Hausgenossen kennen- und vor allem liebengelernt haben und wir durch ihre Anhänglichkeit, Fröhlichkeit, und oft auch
liebenswerte Schlitzohrigkeit selbstverständlich keinen Unterschied zu einem Haustier wie Hund oder Katze sehen, ist die
Vergegenwärtigung von der millionenfachen Tortur der Mastkaninchen unerträglich.
Warum nur ist diese ganz eindeutig schlimmste Tierquälerei erlaubt?
Auch hierfür eine einfache Antwort: Weil es EU-weit bis zum heutigen Tage keinerlei gesetzliche Regelung zur Haltung von
Kaninchen gibt! Bedeutet übersetzt, daß jeder mit den Tieren machen kann, was er will. Vor allem gilt dieser Freibrief für die
kaninchenerzeugen-den Hersteller. In den letzten Jahren wurden immer wieder mal national und EU-weit Vorstöße von
Tierschutzorganisationen unternommen, um diesen Zustand zu beenden. Allein: bei den verantwortlichen Politikern der
entsprechenden Regierungen rangiert dieses Thema - wenn überhaupt - auf der untersten Wichtigkeitsebene. Seit 3 Jahren
allerdings erzeugen vermehrt Medienberichte und private Initiativen Druck auf die Verantwortlichen, hier endlich tätig zu
werden.
Nachfolgend eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation:
- Österreich: Laut Auskunft der Tierschutzorganisation Vier Pfoten wird
Mastkaninchenzucht in Österreich nicht industriell betrieben, sondern lediglich als Hobby-/Nebenerwerb von einigen
wenigen landwirtschaftlichen Betrieben. Der - erfreulicherweise geringe - Kaninchenfleischverbrauch wird über Importe
aus den Italien und Frankreich gedeckt.
- Deutschland: Deutschland als Vorreiter bei der Legehennenverordnung mit einer grünen
Politikerin als Verbraucherschutzministerin hätte aktuell eigentlich gute Voraussetzungen, um hier endlich etwas zu bewegen.
Nur hat man es hier mit einem Beamtenapparat zu tun, der ständig vorgibt, mit weitaus wichtigeren Projekten beschäftigt zu
sein. Überaus gern wird auch stets das Argument angeführt, daß Deutschland-weit keine Regelung getroffen werden könne, da
wir ja nun alle ein schönes großes vereintes Europa wären und man sich den EU-Normen zu beugen habe. Dies die seit Jahren
gleichlautende Argumentation bzw. Antwort, die ich von allen von mir angeschriebenen und mit mehr als 1.500 privat
gesammelten Unterschriften versehenen Protestschreiben an alle landes-, bundes- und EU-weit zuständigen Politiker erhielt.
Die Möglichkeit, letztes Jahr Renate Künast persönlich auf die unerträglichen Zustände in der Mastkaninchenhaltung
anzusprechen, brachte dies: Erstmals wurde danach von dem zuständigen Beamten ihres Ministeriums schriftlich zugesagt,
Beratungsgespräche mit den Verbänden, bestehend aus Kaninchenerzeugern und Fachleuten anerkannter Tierschutzorganisationen,
aufzunehmen mit dem Ziel, Verbesserungen der Zucht- und Haltungsbedingungen zu erwirken. Nachdem allerdings nach dieser
Zusage erneut ein Jahr verging, ohne daß diese Beratungen aufgenommen wurden, ergab sich kürzlich nochmals die
Gelegenheit, eindringlich bei Renate Künast nachzuhaken. Wenige Wochen danach dann ein Signal aus dem Ministerium:
Ein erstes Gespräch hat kürzlich stattgefunden, der Stein ist ins Rollen gebracht.
- Europa: Die klassischen Länder, in denen Kaninchen in großen Mengen (mehr als 100
Millionen Tiere pro Jahr) verzehrt werden, sind Frankreich, Italien, Spanien und Portugal. Als neu hinzugekommene
EU-Mitgliedsstaaten wird eine Massenproduktion aus den nicht gerade dem Tierschutz verpflichteten Ost-Ländern Ungarn und
Polen erwartet. Diese genannten Länder werden aus wirtschaftlichen Gründen alles tun, um eine - übrigens schon seit mehr
als 5 Jahren im Europarat anstehende - Verordnung zur Kaninchenhaltung zu boykottieren.
Was kann jeder Einzelne von Euch konkret tun?
- Aufklärungsarbeit: Nahezu 100% der von mir durch die Unterschriftenaktion
angesprochenen Leute hatte keinerlei Ahnung davon, wie Mastkaninchen gehalten werden. Erzählt Eurem Umfeld davon!
- Unterschriftenaktion: wir bitten Sie, unsere Unterschriftenliste auszudrucken und auszulegen.
Es konnten bereits über 1700 Unterschriften gesammelt werden - auch Ihre Stimme zählt! Unterschriftenliste downloaden
- Online-Petition: Eine europaweite Protest-Petition könnt Ihr unterstützen unter
www.tierrechtsbewegung.org
- Protestschreiben: per Brief oder email an: Renate Künast, Bundesministerin für
Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, ilhelmstraße 54, 11055 Berlin, Email: Kontaktformular auf
www.renate-kuenast.de
Gerade in der jetzigen Situation ist es enorm wichtig, dranzubleiben und auf die zuständigen Politiker verstärkt weiter
Druck auszuüben. Die Zeit eilt - im Herbst 2006 bei der dann stattfindenden deutschen Bundestagswahl ist es nach derzeitiger
Einschätzung mehr als fraglich, ob Rot-Grün am Ruder bleibt. Bei einem Sieg der Schwarzen wird es dann auch im wahrsten
Sinn des Wortes wieder zappenduster mit allen Tierschutz-Anliegen aussehen....
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